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Rechnungswesen am Beruflichen Gymnasium

Rechnungswesen – was ist das?

Obwohl es sich erst einmal ähnlich anhört und es bei beiden Fächern um Zahlen geht, hat das Fach Rechnungswesen erst einmal nicht viel mit dem Mathematikunterricht zu tun, den Sie bisher aus der Schule kennen.

Zu Beginn werden Sie sich beispielsweise mit der Buchführung beschäftigen. Bevor in einem Unternehmen wichtige Entscheidungen getroffen werden können, müssen als Grundlage alle Geschäftsvorfälle aufgezeichnet („dokumentiert“) werden, da niemand sämtliche Ereignisse im Gedächtnis behalten kann. Da diese Aufzeichnungen früher in Büchern schriftlich festgehalten wurden, spricht man auch im Computerzeitalter noch von „Buchführung“.

Wichtige Geschäftsfälle in einem Industrieunternehmen (hier produziert man selbst Erzeugnisse und kauft diese nicht einfach nur fertig ein, um sie dann anschließend unverändert weiterzuverkaufen), die Sie kennenlernen werden, können z.B. sein:

  • Das Unternehmen kauft Maschinen für die Produktion oder Computer für die Büros ein.
  • Das Unternehmen nimmt Bankkredite auf.
  • Das Unternehmen zahlt Zinsen an die Bank.
  • Das Unternehmen kauft Rohstoffe ein.
  • Gehälter für die Angestellten werden bezahlt.
  • Die produzierten Erzeugnisse werden verkauft.

Wenn das Unternehmen etwa am 31.05. einen Computer für ein Büro für 1.200,00 € kauft und diesen dann beim Verkäufer mit Bargeld bei der Abholung bezahlt, dann werden wir diesen Geschäftsfall auf den beiden Konten „Betriebs- und Geschäftsausstattung (BGA)“ und „Kasse“ im sogenannten „Hauptbuch“ eintragen:

buchungssatz
 

Zusätzlich werden wir im sogenannten „Grundbuch“ einen „Buchungssatz“ aufschreiben: 31.05. BGA an Kasse 1.200,00 €

Wir „buchen“ also den Geschäftsfall im Hauptbuch und im Grundbuch.

Am Ende des Geschäftsjahres führt das Unternehmen dann eine „Inventur“ durch (z.B. durch zählen aller Computer im Unternehmen mit Bewertung in €) und stellt anschließend mit diesen Werten ein „Inventar“ auf. Dies ist ein ausführliches Verzeichnis aller Vermögengegenstände (z.B. die Computer und das Bargeld) und Schulden (z.B. Bankkredite).

Da dieses Verzeichnis sehr ausführlich ist, wird daneben eine kurzgefasste Gegenüberstellung der Werte, die „Bilanz“, erstellt. Die Bilanz ist Bestandteil des „Jahresabschlusses“, der in der Regel „veröffentlicht“ wird, d.h. auch für Außenstehende (z.B. Geschäftspartner, Finanzamt, Aktionäre, Öffentlichkeit) einsehbar ist.

An anderer Stelle werden wir uns bestimmte Bilanzpositionen genauer anschauen und uns beispielsweise fragen, mit wieviel € die Vermögensgegenstände am Ende des Geschäftsjahres in der Bilanz angesetzt („bewertet“) werden, wenn sie nicht mehr so viel wert sind, wie beim Kauf oder zu Beginn des Jahres.

Ein anderes großes Teilgebiet wird die sogenannte „Kosten- und Leistungsrechnung“ sein. Dort werden wir unter anderem feststellen, wie viel uns die Produktion eines Erzeugnisses gekostet hat und zu welchem Preis wir es verkaufen können/wollen („Kalkulation“). In diesem Teilgebiet geht es also um die Vorbereitung von betriebswirtschaftlichen Entscheidungen.

Andere wichtige Entscheidungen können etwa sein:

  • Wie viele Produkte müssen wir verkaufen, um einen Gewinn zu erzielen?
  • Welchen Anteil haben die einzelnen Produkte am Gewinn des Unternehmens?
  • Müssen wir unser Produktionsprogramm ändern?
  • Welche Kosten sind in welchen Bereichen des Unternehmens entstanden?
  • Wurden unsere gesetzten Ziele erreicht?
  • Entscheidungen über Standorte oder die Entlassung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
  • Können und sollen wir zusätzliche Aufträge annehmen?
  • Sollen wir einzelne Produkte selbst produzieren oder bereits fertig von anderen Unternehmen beziehen?

Die Grundlage für diese Entscheidungen bilden die Zahlen, die wir in der Buchführung erfasst haben und welche nun weiter aufbereitet werden müssen. In diesem Zusammenhang werden Sie auch wichtige Begriffe, wie etwa „Controlling“, kennenlernen.

Wie hilft mir Rechnungswesen weiter?

Rechnungswesen ist also nicht nur reine Buchungstechnik, sondern Sie erhalten durch dieses Fach einen Einblick in betriebliche Zusammenhänge und ein Verständnis für kaufmännische Fragestellungen.

Rechnungswesen ist auch ein wichtiges Fach bei allen kaufmännischen oder verwaltenden Berufen. Und falls Sie eine spätere Ausbildung in diesen Bereichen anstreben sollten, stellen Ihre dann bereits vorhandenen Kenntnisse einen Vorteil bei Bewerbungen dar und Sie können in der Berufsschule mit Ihrem bereits vorhandenen Wissen glänzen. Auch als Selbständiger benötigen Sie diese Kenntnisse.

An Hochschulen stellt das Rechnungswesen ebenfalls einen wichtigen (und für viele schwierigen) Baustein wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge dar und kann dort in vielen Spezialisierungen über das Grundstudium hinaus genutzt werden.

Die „schlechte“ Nachricht:

Rechnungswesen ist nicht für Faule! Sie haben vielleicht in Ihrer Schullaufbahn einige Fächer kennengelernt, in denen nach einiger Zeit ein neues Thema beginnt und man die Kenntnisse des vorherigen Themas nicht mehr benötigt. Wenn man einmal nicht so gut gelernt hat, kann man wieder neu einsteigen und es besser machen. Einige von Ihnen lernen vielleicht auch nie viel und haben sich bisher so „durchgemogelt“. In Rechnungswesen wird dies nicht möglich sein!

Insbesondere zu Beginn im Rahmen der Buchführung bauen alle Inhalte aufeinander auf. Um den Anschluss zu behalten, müssen Sie die Inhalte zuhause ständig wiederholen, um die nächsten Themen verstehen zu können. Viele Schülerinnen und Schüler machen dies leider nicht und verlieren gleich zu Beginn den Anschluss. Fehlende Grundkenntnisse und schlechte Noten sind dann leider zu oft die Folge.

Welche Vorkenntnisse brauche ich?

Wie Eingangs angesprochen, darf das Fach Rechnungswesen trotz des Namens nicht mit Mathe verwechselt werden. Wir werden im Unterricht die Ihnen bekannten Grundrechenarten, den Dreisatz sowie die Prozent- und Zinsrechnung anwenden. Darüber hinausgehende Kenntnisse des Mathematikunterrichtes sind nicht erforderlich.