|

Französisch, mehr als nur ein Fach! von Kirsten Jäger

17
Apr

Französisch, mehr als nur ein Fach! von Kirsten Jäger

Über eine Entfernung von 9.139 km haben wir, die Französischkurse von Frau Apel-Böhmig und von Frau Jäger, mit französischen Jugendlichen aus La Réunion kommuniziert. Diese lernen seit der 6. Klasse Deutsch und befinden sich nun in der section européenne des Gymnasiums Lycée de Bois d’Olive, gelegen in St. Pierre im Süden der Insel. Bei madame Geneviève Burny haben sie zum Beispiel das Fach Biologie in deutscher Sprache.

Im Twinspace der Plattform eTwinning legten wir online unsere Profile an und lernten uns erst einmal kennen. Auf die ersten Chats folgten dann Fotos und Texte, z. B. über unsere Schulen oder unsere Stadtviertel. Wir schrieben natürlich auf Französisch, denn diese Sprache haben wir seit mindestens 3 Jahren gelernt. Auch kleine Videofilme schicken wir uns.

Von unseren corrès sowie bei weiteren Internetrecherchen erfuhren wir, dass La Réunion ein französisches Überseedepartement ist. Über 900 Kilometer östlich von Madagaskar im Indischen Ozean gelegen ist es doch eine Region Frankreichs und Teil der Europäischen Union. Die Menschen sprechen Französisch sowie weitere Sprachen, zahlen in Euro und die Jugendlichen schreiben dieselben Abschlussprüfungen wie in Paris oder Lyon. Aber die Menschen haben dort auch ihre eigene Identität. Sie fühlen sich typisch kreolisch, das heißt sie leben und lieben ihre Vielfalt. Alle Einwohner*innen sind irgendwann auf die Vulkaninsel eingewandert, sie stammen aus Afrika, aus Asien oder aus Europa.

Ein Imbiss in Saint Pierre.

Der Strand von St Pierre

Als wir erfuhren, dass unsere corrès nach Berlin kommen würden, waren wir sehr aufgeregt. Am 11. März 2019 war es dann soweit und wir luden sie zu uns ans OSZ ein. Eine Gruppe Berliner Schüler*innen holte die Gäste, 16 Jugendliche sowie zwei Lehrerinnen, am Hauptbahnhof ab.


Der Französischkurs f-a4 und unsere Gäste mit ihrer begleitenden Mathematiklehrerin madame Rigo. Statt „Cheese“ sagten wir für dieses Foto „Ouistiti“ (= Pinseläffchen).

Wir zeigten ihnen den Weg zu unserer nahe gelegenen Schule und trafen dort weitere Berliner Französischlernende. Um leichter ins Gespräch zu kommen, führten wir zuerst ein speed-dating durch und fanden zum Beispiel heraus, dass es an der Küste zwar fast immer mindestens 20 Grad warm ist, man wegen der Haie aber nur in den Lagunen baden darf. Die Schülerinnen und Schüler aus La Réunion erzählten uns auch, dass sie zu Hause Kreolisch sprechen, eine Sprache, die aus dem Kontakt zwischen den kolonialen Zuckerbaronen und ihren Sklaven entstanden ist. Sie basiert auf dem Französischen, hat aber auch afrikanische und madagassische Wurzeln und enthält viele Wörter aus Sprachen wie Chinesisch, Englisch, Hindi, Portugiesisch oder Tamilisch.

Beim speed-dating

Wir hatten ein zweites Frühstück vorbereitet, dass von unseren Gästen noch durch frische Ananas und Passionsfrüchte aus madame Burnys Garten bereichert wurde.

Herr Brieler, unser kommissarischer Abteilungsleiter, schaute auch vorbei und begrüßte uns herzlich.

Madame Burny im Gespräch mit Herrn Brieler

Die geplante Stadtrallye fiel leider ins Wasser, denn es war sehr nasskalt und an das Berliner Wetter waren unsere Gäste nicht gewöhnt. Stattdessen unterhielten wir uns einfach weiter oder spielten Karten, Scharade, „Wer bin ich?“ oder auch Armdrücken.

Wir wechselten immer wieder zwischen Deutsch und Französisch hin und her.

Unsere Gäste hatten für uns einen Videofilm über ihre Region gedreht, den sie uns vorführten. Danach zeigten wir ihnen unsere Schule.

Die Zeit ging schnell vorbei und nach fünf Stunden mussten wir mit einem spontanen Rap voneinander Abschied nehmen. Viele von uns sind aber weiterhin über die sozialen Medien in Kontakt. Hoffentlich werden wir als Schule den Kontakt nach La Réunion noch lange halten und vielleicht ist ja auch einmal ein Gegenbesuch dorthin möglich.

Hier noch ein paar Rückmeldungen des Kurses f-a 4 (neu einsetzende Fremdsprache, 3. Lernjahr):

Ich fand es sehr schön, neue Menschen einer anderen Kultur kennen zu lernen und mich mit ihnen zu beschäftigen.

Adrian Obradovic

Das Frühstück mit den Schülern aus La Réunion, war sehr gut, um ins Gespräch zu kommen. Zudem lernt man dadurch auch noch neue Gerichte kennen, welche man vorher noch gar nicht kannte als Deutscher. Man hätte nach dem Abholen der Schüler aus Frankreich uns mit ihnen besser einteilen können, um wirklich gut ins Gespräch zu kommen. Denn manche Schüler aus Frankreich waren etwas schüchtern, was auch völlig verständlich ist. Als ich mit ein paar Schülern zu Penny ging, war es wirklich interessant zu sehen, wie begeistert die Schülerinnen und Schüler waren. Denn was für uns aussieht wie Tuc für 2 €, das sehen die Schüler aus Frankreich extrem anders, denn Tuc kostet auf La Réunion 5€ die Packung. Sehr interessant.  Es hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht, mich mit den Schülern zu unterhalten, da sie ganz cool drauf waren und sehr viel geredet haben.

Cem Beese

Ich war am Wochenende davor noch sehr aufgeregt, doch die Klasse aus La Réunion war super gelaunt. Diese Begegnung war ebenfalls auch sehr hilfreich, um zu sehen, ob ich die französische Sprache ausreichend beherrsche. Das „einfach machen“ von Frau Jäger hat mich dazu gebracht, die ganze Zeit Gespräche zu führen. Im Großen und Ganzen finde ich, dass die Begegnung positiv verlaufen ist (von beiden Seiten).

Rani Dib

Ich fand das Treffen mit den Schülern aus La Réunion sehr interessant. Wir konnten direkt aufeinander zugehen und uns mit ihnen unterhalten und es hat auch sehr gut geklappt. Mir hat am besten gefallen, dass wir uns direkt auf freundschaftlicher Ebene begegnet sind und nicht so entfernt voreinander waren.

Schüler, Jahrgang 7830

Das Treffen war eine schöne Abwechslung zum normalen Unterricht. Zwar waren wir nur in der Schule, aber die Zeit verging wie im Flug. Das Speed-dating hat sehr geholfen, um sich besser kennen zu lernen. Ich hab wirklich nichts zu kritisieren.

Schüler, Jahrgang 7830

Wir trafen die Schüler und Schülerinnen aus La Réunion. Sie waren sehr nett und man lernte Fakten über La Réunion. Zugleich lernte man auch Französisch, da man zusammen Sprachspiele spielte und zum Supermarkt ging. Des Weiteren erkannte man, dass die Leute in La Réunion kein Whatsapp besitzen, was bei uns in Deutschland mindestens jeder zweite hat.

Schülerin, Jahrgang 7830

Regarde donc, on ne saurait pas dire qui sont les tiens et qui sont les miens. Ils ont vaincu leur timidité. (Schau nur, man kann gar nicht unterscheiden, wer deine sind und wer meine. Sie haben ihre Schüchternheit überwunden.)

Geneviève Burny, Biologielehrerin am Lycée de Bois d‘Olive

Das Onlineprojekt vor dem Besuch hat den Unterricht immer wieder aufgelockert und bereichert. Am 11 März war es dann so schön zu sehen, wie die Jugendlichen aufeinander zugingen und sich trauten, die fremde Sprache anzuwenden! Auf einmal saßen alle in gemischten Gruppen. Alle haben viel gelernt und viel gelacht. Ich fand es einen sehr gelungenen Abschluss unserer drei gemeinsamen Jahre.

Kirsten Jäger, Lehrerin

Hinterlasse eine Antwort